Noch wenig Daten zu Dengue-Risiko bei Reisen in Endemiegebiete
Dengue ist ein wachsendes, sich weltweit ausbreitendes Gesundheitsproblem. Reisende in Endemiegebiete können immer häufiger davon betroffen sein. Eine systematische Literaturübersicht untersuchte die klinische und ökonomische Bedeutung von Dengue bei Reisenden aus nicht-endemischen Ländern.
Martin P. Grobusch vom Zentrum für Tropen- und Reisemedizin der Universität Amsterdam und Koautor*innen prüften in einer systematischen Übersichtsarbeit Inzidenz, Prävalenz, Mortalität, Inanspruchnahme des Gesundheitswesens und Kosten durch die Dengue-Erkrankung bei Reisenden zwischen nicht-endemischen und endemischen Regionen. Relevante Publikationen identifizierten sie in den Datenbanken MEDLINE, Embase, Google Scholar, PubMed und Epistemonikos.
Ergebnisse
Insgesamt konnten 70 unterschiedliche Studien ausgewertet werden, überwiegend Querschnittsstudien und populationsbasierte Studien mit geringer Beobachtungsdauer. Nur zwei Studien waren prospektiv durchgeführt worden. Die Heterogenität der identifizierten Quellen war groß, die Berichterstattung inkonsistent und häufig fehlten Daten zu Bezugsgrößen. Daher erfolgte die Auswertung nur beschreibend und die Möglichkeit, Inzidenzraten zu berechnen oder Risikovergleiche durchzuführen, war sehr begrenzt.
Angaben zu Serotypen fanden sich in 19 Studien mit 2.783 Reisenden. Am häufigsten wurde DENV-1 nachgewiesen (n=1225; 44,0%), gefolgt von DENV-2 (n=829; 29,8%), DENV-3 (n =474; 17,0%) und DENV-4 (n=255; 9,2%).
Insgesamt wurde aus 25 nicht-endemischen Ländern über importierte Dengue-Fälle aus 67 endemischen Ländern oder Regionen berichtet. Die zwei prospektiven Studien machten Angaben zu Inzidenzraten. Danach lag die Inzidenz von Dengue bei Reisenden aus nicht-endemischen Regionen, die in Endemiegebiete gereist waren, zwischen 47,0 und 58,7 Fällen pro 1.000 Personen-Reisemonaten. Prävalenzangaben machte keine der Studien. Mit insgesamt drei Todesfällen war die berichtete Mortalität gering. Zu Kosten wurden keine Angaben gemacht, zur Inanspruchnahme des Gesundheitswesens gab es in 7 Publikationen begrenzte, stark divergierende Angaben. So lag die Hospitalisierungsrate bei infizierten Reisenden bei 3,2% bis 100%.
Das Autorenteam empfiehlt, Personen, die in Endemieregionen reisen wollen, reisemedizinisch hinsichtlich Dengue zu beraten und auf die Möglichkeit der Impfung – empfohlen derzeit erst nach durchgemachter Primärinfektion – aufmerksam zu machen.
Fazit:
Trotz der wachsenden Bedeutung von Dengue-Infektionen bei Reisen in Endemiegebiete gibt es bislang keine verlässliche Datenlage zur Quantifizierung des individuellen Risikos. Bislang kann davon ausgegangen werden, dass es sich meist um Primärinfektionen handelt, erklärt das Autorenteam, das eine bessere Überwachung des Infektionsgeschehens, die Erhebung prospektiver Daten und gezielte Präventionsstrategien fordert.
Quelle:
Autorin: Friederike Klein, München