Hiermit bestätige ich, dass ich einen medizinischen oder pharmazeutischen Beruf ausübe [Ärzt*in, Apotheker*in, Pharmazeutisch-technische*r Assistent*in (PTA), Medizinische*r Fachangestellte*r (MFA)].
BadgesStudien
Reisebedingte Dengue-Infektionen belasten das deutsche Gesundheitssystem
Autor*in Studienreferat
Dr. Maddalena Angela Di Lellis, Tübingen
Fazit
Reisebedingte Dengue-Infektionen belasten das Gesundheitssystem in Deutschland. Angesichts des weltweiten Anstiegs der Dengue-Fälle in Verbindung mit einer steigenden Zahl von Fällen in Deutschland zeigen die Studienergebnisse, dass gezielte Maßnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit für Reisende, die in endemische Regionen reisen oder aus diesen zurückkehren, sowie Präventionsmaßnahmen erforderlich sind, um die Auswirkungen von Dengue auf das deutsche Gesundheitssystem zu mindern.
Dengue-Infektionen bei Reisenden, die nach Deutschland zurückkehren, belasten das deutsche Gesundheitssystem und führen zu hohen Kosten, Krankenhausaufenthalten, Arztbesuchen und erheblichen Fehlzeiten. Forscher des Universitätsklinikums Leipzig, des Krankenhaus St. Georg Leipzig, einer reisemedizinischen Praxis in München sowie bei Takeda Pharma und der LinkCare GmbH führten vorliegende retrospektive Beobachtungsstudie durch. Die Wissenschaftler identifizierten Daten zu Dengue-Erkrankungsfällen, die zwischen 2014 und September 2023 auftraten, aus der InGef-Forschungsdatenbank, einer anonymisierten Datenbank gesetzlich Krankenversicherter in Deutschland. Die Forscher wählten die einzelnen Dengue-Fälle anhand einer entsprechenden ICD-10-Diagnose aus. Patientenmerkmale beschrieben die Experten für die gesamte Studienpopulation sowie für Dengue-Erkrankungsfälle mit bzw. ohne Krankenhausaufenthalt. Das Auftreten von Komplikationen analysierten die Experten für das Quartal, in dem die Erkrankung auftrat (Indexquartal) und den 3-monatigen Nachbeobachtungszeitraum. Außerdem werteten die Forscher Zahlen zu Krankenhausaufenthalten aus und ermittelten die gesamten Kosten. Die Kosten für hospitalisierte Fälle mit schwerem Krankheitsverlauf bestimmten die Wissenschaftler separat und verglichen diese mit den Durchschnittskosten der anderen Dengue-Patienten. Zusätzlich ermittelten die Forscher die Mortalität im Indexquartal und in der 3-monatigen Nachbeobachtungszeit und beschrieben verstorbene Patienten hinsichtlich Alter und Komorbiditäten.
Zwischen 2015 und 2023 wurden unter 10.151.240 Versicherten insgesamt 887 Dengue-Erkrankungen erfasst. Das Medianalter der Patienten betrug 33 Jahre, 52 % waren männlich. Ohne Berücksichtigung der COVID-19 Pandemiejahre lag die Inzidenz bei 1,4-2,5/100.000 Personen, was einer geschätzten Gesamtzahl von 1.453-2.639 Fällen pro Jahr in Deutschland entspricht. Von den 37 % der hospitalisierten Patienten benötigten 4 % eine Intensivbehandlung. Die durchschnittliche Verweildauer der Patienten im Krankenhaus betrug 3,3 Tage; die meisten Patienten wurden nach einer Übernachtung entlassen und es wurden keine Dengue-bedingten Todesfälle gemeldet. Insgesamt nahmen 41 % der stationären Patienten während ihres Krankheitsverlaufs eine Krankschreibung mit einer durchschnittlichen Dauer von 8,8 Arbeitstagen in Anspruch; 38 % der nicht stationär behandelten Patienten nahmen eine Krankschreibung in Anspruch, die durchschnittlich 6,9 Arbeitstage dauerte. Bei Patienten mit Dengue-Fieber kam es zu einer Verdopplung der Arztbesuche, was im Vergleich zum Vorindexzeitraum zu einem Kostenanstieg von 162 % führte (durchschnittliche Kosten pro Episode pro Quartal je Patient: 930 €). Diese Kosten entfielen hauptsächlich auf die ambulante Versorgung (23 %) und Krankenhausaufenthalte (64 %). Bei stationären Patienten stiegen die Kosten im Vergleich zum Vorindexzeitraum um das Vierfache (durchschnittliche Kosten pro Episode pro Quartal je Patient: 1.700 €).